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01 Juni 2022 - Zwischen Tür und Angel

Vergangenen Sonntag sah ich im Augenwinkel eine Person zur Haustür kommen, es war ein Klassenkamerad meiner Tochter. Er hatte den ganzen Weg von Laufersweiler bis nach Lötzbeuren zu Fuß zurückgelegt, was gute zehn Kilometer und etwa 90 Minuten Marsch bedeutet. Das alleine ist schon eine Leistung, umso mehr wenn man bedenkt dass er einen etwa 1,40 Meter großen Teddybären im Schlepptau hatte.

Zum Verständnis soll erwähnt sein dass die beiden sich verkracht hatten nachdem meine Tochter sich neulich einen Freund angelacht hatte. Der Arme macht sich Hoffnungen wo es keine gibt. Da die beiden sich inzwischen aber wieder versöhnt hatten wollte er wohl ein Zeichen setzen. Allerdings reichte sein Plan wohl nur von seiner Haustür bis zur unseren, einen Masterplan für Komplikationen bei der Übergabe hatte er jedenfalls nicht. Besser gesagt, er hatte nicht damit gerechnet dass ausgerechnet der Alte, das bin Ich, die Tür öffne würde.

Er lief also den ganzen weiten Weg alleine mit besagtem extra großem Teddybär im Schlepptau, klingelte, und kam ab da mächtig ins straucheln. Er stotterte irgendwas davon dass der Bär für meinen Sohn sei weil der ja krank wäre und dass ich den Bären doch bitte nehmen solle und einiges mehr an das ich mich gar nicht mehr erinnere. Ehe ich mich versah drückte er ihn der eigentlichen Empfängerin, meiner Tochter, in die Hände, die mittlerweile auch erschienen war, und verschwand mit einem großen Satz um die Ecke von wo aus er sich wieder auf den Rückweg machte.

Ein mit Wellplatten gedecktes Scheunendach, umramt von Efeu. Die Sonne scheint und lässt einen Streifen besonders hell erleuchten.
Ein mit Wellplatten gedecktes Scheunendach, umramt von Efeu. Die Sonne scheint und lässt einen Streifen besonders hell erleuchten.

Meine Tochter übergab nichtsahnend dem Großen freudig seinen neuen überdimensionalen Teddybär, welcher über diese unerwartete Geste mindestens so verwirrt war wie ich. Wir rätselten eine Zeit lang, der Große schrieb den Jungen an und erfuhr letztendlich die ganze Wahrheit. Der Klassenkamerad hat wohl verkündet meiner Tochter ebenfalls einen solchen Teddybär zu schenken, schließlich ist sie es auch der er eine Freude machen möchte.

Ich hoffe nur dass ich Zuhause bin wenn er für die nächste Übergabe vorbei kommt. Dann werde ich ihn hereinbitten, etwas zu trinken anbieten und später auch heimfahren. Beim letzten Besuch habe ich diese Gelegenheit verpasst, war nämlich damit beschäftigt doof dreinzuschauen und zu analysieren was da eigentlich gerade passiert.