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12 Mai 2022 - Auszüge aus meinem Arbeitsalltag

Der Zustand der Fahrzeugflotten gewisser Speditionen lässt immer mehr zu Wünschen übrig. Alleine diese Woche haben wir bereits drei Fahrzeuge abgelehnt, da die Beschaffenheit der Anbauteile nicht den Anforderungen entspricht. Somit ist eine Beladung und anschließende Ladungssicherung so wie es in den Zertifikaten, die für jedes Fahrzeug separat ausgestellt werden und immer mitgeführt werden, gefordert wird nicht möglich.

Ein Zertifikat gibt die Anzahl und Positionierung von Anbauteilen (Rungen) sowie Anschlagmitteln (Zurrgurte, Stahlseile) vor. Weiter die (Mindest/Maximal) Abmessungen der zu sichernden Güter, in unserem Fall Stahlmatten, als auch die maximale Ladehöhe.

Im Alltag bedeutet das, wir produzieren genormte Ware die auf bestimmte Weise zu laden und zu sichern ist. Können die Güter nicht wie im Zertifikat beschrieben gesichert werden, Gründe gibt es viele, ist zu ermitteln wie viele Anschlagmittel nötig sind um den sicheren Transport zu gewährleisten. Da wir eben nicht nur Standardware produzieren, sondern auch solche für die es aufgrund ihrer Vielfältigkeit keine Zertifizierung gibt, kommt letzteres täglich zum Tragen.

Eine Schwarz-grau getigerte Katze sitzt in Nahansicht zwischen geschraubten Brettern und Schilf und schaut erschrocken in die Kamera.

Soweit alles schick, solange die Fahrzeuge in einem tadellosen Zustand sind. Ein für unsere Zwecke häufig verwendeter Aufliegertyp zum Beispiel verfügt über seitlich verstellbare, herausnehmbare Rungen. Diese Rungen stehen in Taschen, diese Taschen wiederum werden geführt wodurch es möglich ist Güter zwischen mindestens 2 - 2,80 ~ Meter Breite seitlich abzusichern. Wenn die Führungen der Rungentaschen aber von Salz, Regen, Sand und allem anderen was ganzjährig darauf einwirkt ganz marode und vergammelt sind da sie keine Pflege erfahren (durch den Fahrer selbst / Instandhaltung des Spediteurs), können die Rungen eben nicht mehr seitlich verstellt werden. Ab dann wird es müßig. Den Ärger hat der Fahrer, weil der sich plagen kann. Den Schaden haben die Speditionen, weil sie Verluste hinnehmen müssen wenn sie abgelehnt werden und obendrein auch noch optisch keinen guten Eindruck machen. Weiter geht es damit das zu wenig Anschlagmittel mitgeführt werden, oder die Mitgeführten die Ablegereife erreicht haben. Also wegen Beschädigungen oder fehlenden Etiketten zum Beispiel und daher nicht weiter genutzt werden dürfen.

Wir kämpfen also jeden Tag mit Anbauteilen die ersetzt werden müssten, Anschlagmitteln die ablegereif sind und Fahrern die allem Gleichgültig gegenüber stehen oder schlicht schlecht ausgebildet/zu doof sind. Genannte Gleichgültigkeit resultiert oft daraus, dass die Speditionen sich einen Scheiß darum kümmern solange der Bock rollt. Fahrer beklagen oft den Zustand ihres Fahrzeugs, meist passiert nichts. Also begibt man sich in Teufels Küche und betreibt Ladungssicherung nach Gutdünken, die einem im Falle eines Falles mit anschließender Ursachenermittlung einen Freifahrtsschein in den Bau garantiert. Wenn erst mal eine Familie unter 24 Tonnen Stahl begraben liegt bekommt der Spediteur zwar einen auf den Sack für die schlechte Ausstattung. Im Schraubstock landen aber die Eier des Fahrers und des Verladers, denn diese beiden sind letzten Endes verantwortlich und haben daher auch das Recht eine Beladung zu verweigern.

Unsere Chefs sind naturgemäß nicht begeistert wenn wir es uns herausnehmen Fahrzeuge abzulehnen. Daraus resultiert unter anderem dass Lagerfläche weiterhin belegt bleibt und im Extremfall die Produktion ein/umgestellt werden muss was Folgeaufträge gefährdet. Zum anderen dann die Diskussionen, Telefonate, E-Mail Verkehr über das Warum und Weshalb. Dann gibt es Kollegen denen ist alles egal, die laden alles überall drauf. Schon gibt es wieder Diskussionen warum es auf Schicht A keine Probleme gibt, aber in Schicht B.

Das alles sind die Auswirkungen des brutalen Preiskampf unter den Speditionen die dann andere auszubaden haben. Ob irgendwer am Ende tatsächlich Geld und Nerven spart ist fraglich. Das mit mehr Mitteln vieles im Vornherein entschärft oder gar ganz verhindert werden könnte ist unbestritten. Genauso wie die Tatsache dass die guten Speditionen, jene die gewillt sind in Material und gute Fahrer zu investieren, unter den Marotten der anderen leiden und Schwierigkeiten haben am Markt zu bestehen.

Man könnte an der Stelle die Spediteure natürlich auch ein wenig in Schutz nehmen, denn Anbauteile gehen oft auch einfach wegen der Unachtsamkeit derjenigen kaputt die täglich damit arbeiten. Wer billig kauft bezahlt eben zweimal, oder dreimal, oder... Dieses Thema ist ein Rattenschwanz mit dem man ganze Bücher füllen könnte ohne wirklich voran zu kommen.

Bearbeitet am 12.05.2022:
Korrekturen und Neuformulierungen