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04 April 2022 - Schlaflose Nächte

Am gestrigen Sonntag glaubte ich meine doch recht fiese Erkältung größtenteils überstanden zu haben und sah mich bereits heute morgen wieder arbeiten. Das wäre mir auch lieb und recht gewesen, auch wenn meine Frau in meinen Symptomen eine lupenreine Coronainfektion sieht. Dabei haben alle bis auf einen Test in den letzten Tagen nichts verdächtiges gemeldet, auch die nahegelegene Teststation wies keine Infektion nach. Ich wäre also heute wieder arbeiten gegangen, wenn sich nicht gestern Abend nach dem zu Bett gehen wieder Atemnot bemerkbar gemacht hätte. Längst wäre es Zeit gewesen nach dem Tatort und Anne Will, ich konnte aber nicht mehr einschlafen.

Hab mir mehrere Gläser gefüllt und getrunken weil die Nase wieder zu schwoll. Das Fenster geöffnet weil mir der Raum plötzlich so stickig vorkam. Alles brachte nichts, ich musste wieder raus. So bin ich um kurz nach Eins noch mit doppeltem Paar Socken und Schlappen, einer dicken Jacke samt Mütze und einem breiten Schal vor dem Mund bei Minus zwei Grad meine Runden über den Hof gedreht. Diesen plötzlichen Bewegungsdrang und das Gefühl mehr Raum zu brauchen hatte ich an diesem Wochenende öfter, einfach nur daliegen macht mich mit der Zeit völlig kirre. So bin ich sicher zehn Minuten im Kreis gelaufen, in angepassten Schritttempo und immer den nervenden Bewegungsmeldern ausweichend. Der Himmel war beinahe klar und viele Sterne waren zu sehen.

Wie ich so lief ging ich meinen Gedanken nach, dabei leidig ermahnt von brennenden Lungen langsam zu machen. Stets aber auch mit der Gewissheit dass die Bewegung und die frische Luft mir gut taten. An die Arbeit habe ich gedacht, an das Gift der Schuldgefühle weil ich vermutlich wieder ausfallen würde. Ich sah mich mit einer Bringschuld konfrontiert die ich als Arbeitnehmer abzuleisten hätte. Ich bin leider weniger gut im Krank sein und mache mir jedes Mal Vorwürfe weil ich nicht sterbenskrank auf dem Totenbett liegend, die letzte Salbung erhaltend und meinen Odem aushauchend wenigstens noch Ansatzweise versuche auf die Arbeit zu kriechen.

Genau diese Einstellung ist es aber auch die es erst soweit gebracht hat, denn Symptome ignorieren konnte ich wie ihr bereits wisst schon immer gut. "Wird schon nicht so schlimm sein. Fühlt sich irgendwie nicht gesund an. Ich glaube ich habe nicht mehr lange. Immer diese Schmerzen in der Brust."

Wieder einmal muss ich mir ins Bewusstsein rufen dass mir mein Körper Grenzen setzt. Da kann ich mich noch so unkaputtbar fühlen. Meine Frustration bringt mich nicht weiter, aber die Vernunft. Ich muss nur in meinen Körper hinein lauschen. Ich spüre meine Lungen die sich kalt und gereizt anfühlen, bemerke das Rasseln, höre das Pfeifen, schmecke den bitteren Geschmack im Mund. Es ist vernünftiger noch zwei oder drei Tage kürzer zu treten und erst dann wieder an den Start zu gehen.

Das fordert meine Geduld, passt nicht in mein Selbstbild, hilft aber. Um so mehr Zeit ich für meine Erholung aufwende um so besser. Es hat auch keinen Sinn sich immer wieder einzureden dass man nur im großen Stil jammert. Frieden finden mit dem was ist, sich vorbereiten auf das was nach der Schonzeit kommt.

Wie ich die Nacht zu Ende gebracht habe? Nachdem ich mir einen Tee zubereitet, Feuer gemacht und mein Notfallspray inhaliert hatte ging es dann halbwegs. Der erste Hunger kam auf, ich aß ein Brötchen und etwa um drei Uhr war ich dann soweit dass ich endlich einschlafen konnte.

Heute morgen geht es einigermaßen. Solange ich zart mache fühle ich mich gut. Sobald ich mich anstrenge geht der Husten wieder los. Dauert noch ein zwei Tage, dann bin ich wieder fit.