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30 März 2022 - Das erste Mal besoffen

Ich muss damals etwa 12 oder 13 Jahre alt gewesen sein. Gemeinsam mit einem Nachbarsjungen bin ich in einen Keller eingestiegen, dort wurde unter anderem Wein gelagert. Es muss ein Trockener gewesen sein, vielleicht hat sogar diese Wahl damals meine Abneigung zu trockenen Weinen hervorgerufen. Jedenfalls haben wir uns in eine ruhige Ecke zurückgezogen und die Flasche direkt angesetzt, natürlich ohne Maß und Sinn. Möglichst große Schlücke, immer rein damit. Dann fingen wir an Suppe mit Wein zu kochen, mit geklauten Möhren aus Omas Garten. Die waren vermutlich eher weniger sauber und knirschten dadurch sicher auch ein wenig beim kauen. Das Ergebnis liegt auf der Hand, ich war zum ersten Mal so richtig knülle. Meiner Mutter hatte ich vorgetäuscht mir ginge es einfach nicht so gut, nur um anschließend gleich mal noch in die Badewanne zu kotzen. Ich als Badegast war natürlich mittendrin statt nur dabei. Wenn schon denn schon. So war das damals, und ich muss gestehen bis ich dem Alkohol ernsthaft und dauerhaft abschwor vergingen noch ein paar Jahre. Bis es soweit war flossen etliche Liter Bier und auch süßer Wein, aber nie die harten Sachen.

Eine mit Naturschiefer verkleidete Hauswand. Am oberen Ende eine Regenrinne, darunter ein breites Holzbrett. Es regnet, die Tropfen zeichnen sich als dünne weiße Fäden ab.

Die Zeiten ändern sich bekanntlich nie wirklich. Oder zumindest der Mensch nicht, denn diese kleine Tradition wurde jüngst durch meine Tochter weitergeführt. Sie war zu Besuch bei einer Freundin, Mädelsabend. Dabei floss der ein oder andere Rum. Meine Tochter war sehr knülle und schwor am nächsten Morgen nie wieder Alkohol zu trinken. Ihre Freundin, die ebenfalls leicht angetrunken war, trägt nun den hübschen Beinamen "Alkliene". An dieser Stelle Grüße an ihre Mutter. Meine Tochter muss natürlich damit leben dass ab und an mal etwas Spott über sie ergeht. "Möchtest du noch einen Schuss Rum in deinen Tee Schatz?", oder "Leidest wohl an Entzug, oder warum bist du so zickig?!" :)

Natürlich waren wir anfangs recht pissig über dieses Erlebnis, Alkohol ist eine Droge die nicht nur Erwachsene kaputt macht. Zum einen aber sind das eben Dinge die passieren. Zum anderen, wer bin ich den Finger zu erheben??? Wir sammeln alle unsere Erfahrungen. Die einen früher, die anderen später. Theater zu machen wäre an der Stelle maximal unpassend und übertrieben.

Fräulein muss jetzt einfach damit leben ab und an mal verarscht zu werden und ist dazu noch um eine kostbare Erfahrung reicher. Nämlich die vom dicken Kopf am Morgen danach. Recht so, kann gar nicht genug weh tun! :)