Leicht - Kompakt

hosentaschenblog.org

27 Februar 2022 - Rede im Deutschen Bundestag

Was war das nur für eine Rede heute im Deutschen Bundestag, da war doch wirklich für jeden was dabei. Den Einstieg lieferte unser Bundeskanzler Herr Scholz, der ja gar nicht wieder zu erkennen war. Eine umfassende Rede mit klaren Worten die wirklich kein Zweifel offen lässt an dem was die Bundesrepublik Deutschland nun gedenkt zu tun. Im Anschluss dann Friedrich Merz, in seiner Rolle als, Friedrich Merz. Auch er kam natürlich voll aus sich raus. Nicht nur seine kämpferische Rede dürfte in Erinnerung bleiben, auch seine Zornesröte als er allen anderen erklärte wie der Laden eigentlich zu führen sei bleibt es sicher. Frau Weidel von der AFD, unsere Aussenministerin Frau Baerbock und auch der Bundesminister der Finanzen, Herr Lindner, kamen zu Wort.

Gemeinsam mit meiner Frau habe ich, wie so viele andere Deutsche, diese Sondersitzung heute Vormittag vor dem Fernseher verfolgt. Vieles war richtig und wichtig, es hat sich gezeigt dass wir anpacken können wenn es wirklich darauf ankommt. Ich bin nur gespannt was von dem vielen dass da heute gesagt wurde auch wirklich zum Tragen kommt.

Manch einer sieht Putin schon als gestürzt und vertrieben, ich sehe das anders. So gut die Rede heute auch ankam, es war eben doch nur eine Rede. Man darf davon ausgehen dass die Russen ihren Plan nicht zwischen dem ersten Wodka und dem zweiten Frühstück geschmiedet haben, ganz so einfach dürfte es nicht werden. Zumal das eigentliche Ziel doch auch nicht lautet, Weg mit Putin. Es lautet, Freiheit für die Ukraine. Sicherheit und Frieden in Europa.

Welche der kürzlich beschlossenen Maßnahmen die Russen tatsächlich überraschen und hart treffen werden, so hart dass wir ein baldiges Ende des Konflikts erleben, muss sich erst noch zeigen. Wie gesagt, die Russen sind auch nicht dumm und haben sich schon lange auf diesen Schachzug vorbereitet. Weitere werden folgen, genauso wie bisher ungeahnte Akteure die sicher noch im Verborgenen aber bereits in den Startlöchern stehen.

Für meinen Geschmack wurde heute sehr stark an der Kriegstrommel geläutet. Beide Seiten wetzen mit den Messern, wir dürfen gespannt sein was passiert. Natürlich ist es richtig dass die Welt klare Kante zeigt. Für Europa, für die Ukraine. Zurecht hagelt es von allen Seiten Kritik, auch aus Russland selbst. Was in der Ukraine im Moment geschieht ist Unrecht und darf nicht hingenommen werden. Aber wir stehen erst am Anfang eines Konflikts der, im schlimmsten Fall, einen Flächenbrand auslösen könnte. Mit dieser Angst spielt Russland. Was werden wird, wir werden es sehen.

Das die Bundeswehr jetzt doch wieder flott gemacht werden soll, geschenkt. Wie Herr Lindner bereits gesagt hat, der Sparkurs der letzten Jahr(zehnt)e wird nicht in den kommenden vier Jahren wett zu machen sein. Die Bundeswehr bleibt erstmal marode, genauso wie die lähmende Kraft der Pandemie erstmal nicht verschwindet.

Vielleicht klang gerade deshalb die Rede heute so kraftvoll. Weil sie uns zumindest in Teilen einen Aufbruch verkauft hat, den Aufbruch in eine neue Zeit. Die alten Strukturen werden dennoch übernommen, deshalb glaube ich dass sich in dieser neuen Zeit gar nicht so viel verändern wird. Es braucht halt ab und an mal einen neuen Wind.

Ich hoffe das allerbeste für die Ukraine. Dass sie nicht untergeht, dass sie weiterhin unabhängig bleiben und sich in ihrem Sinne entwickeln kann. Ich hoffe dass wir auch in Zukunft mit unseren weit entfernten Nachbarn, den Russen, zusammenleben werden. Sie sind auch nur Menschen und wollen leben. Auf die ein oder andere Weise, es ist nicht unsere Aufgabe darauf Einfluss zu nehmen.

Soviel zu der Meinung eines einfachen Menschen. Es mag richtig sein oder auch falsch, vielleicht auch nur in Teilen. Wichtig ist, und auch das wurde heute zum Glück nicht vergessen, ein Konsens. Sprecht miteinander, nutzt das Glück eine eigene Meinung haben und diese auch aussprechen zu dürfen. Aber auch das hat seine Grenzen, und die fangen bei der Würde unserer Nächsten an.