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15 Oktober 2022 - Hunsrücker Samstage

Heute Abend bin ich fertig wie nur sonst was. Ich habe den ganzen Tag bei meinem Kumpel im Garten gearbeitet. Mehrere Bäume haben wir gefällt, auf Länge geschnitten und die Äste entsorgt. Ganze drei Hänger haben wir gefüllt, aber nicht nur mit den Ästen der Bäume. Die Wiese lag mehrere Jahre brach, dementsprechend schaut es da jetzt aus. Wir haben ganz viel Gras, Holzäste und Pflanzenreste zusammengetragen und auf den Grünschnittplatz verfrachtet. Was an brauchbarem Holz herum lag wurde auf einen großen Haufen zusammengetragen, ein Feuer wurde auch entzündet. Darauf hat er ein paar Würstchen gegrillt. Das alkoholfreie Bier hat er vergessen. Die Stämme der Bäume habe ich aufgeladen, so kam eine ganze Hängerladung zusammen. Die liegen jetzt bei der Schwiegermutter im Garten, und warten auf den Spalter.

Mein Kumpel hat einen Nachbar, der Mann ist sehr geschwätzig. Zweifelsohne ist er sehr nett, wenn man ihm aber nicht Einhalt gebietet, hält er einen den ganzen Tag nur von der Arbeit ab. Er hat öfter gefragt ob wir etwas brauchen, zu Trinken und dergleichen. Er hat uns seine Scheune gezeigt, ein echtes Schmuckstück. Die und das dazugehörige Haus sind gute 150 Jahre alt und gehörte einst einem reichen Großbauern. Das sieht man auch, einen solchen Bau konnte sich nicht jeder leisten. Alleine der Bau der Scheune hat Unmengen an Material aus der Umgebung entnommen. Es wurden nur massive Eichenbalken verbaut, dazu Lehm und Bruchstein. Wenn nichts weiter passiert, steht sie noch einmal 150 Jahre.

Ob ich ihm ein paar Äste abschneiden könnte, hat er gefragt. Das haben wir natürlich sofort erledigt, war ja auch schnell passiert. In seinem großen Garten hält er drei Bernhardiner, wenn ich mich jetzt in der Rasse nicht vertue. Riesige Burschen, total verschmust und lieb. Im Anschluss hat er uns eine Suppe gebracht, die seine Frau für uns gekocht hat. Kartoffeln, Zwiebeln, Steckrüben und Suppenfleisch. Die war super lecker, hat richtig gestopft aber auch mächtig Kraft gegeben. Das war auch bitter nötig, es hat nämlich beinahe den ganzen Tag ununterbrochen geregnet.

Das ich den Tag gut überstanden habe, lag unter anderem auch an meinen Medikamenten. Nicht lange nachdem ich die ersten Bäume gefällt hatte, ging mir bereits wieder die Puste aus. Also legte ich eine Zwangspause ein, inhalierte die maximale Dosis, und wartete bis ich wieder zu Kräften kam. Danach ging es auch deutlich besser, wenn nicht hätte ich ein Zehn-Euro Ticket für den Krankenwagen gebucht. Meine Lungen setzen mir einfach Grenzen. Im Grunde weiß ich das ja, manchmal wäre es einfach nur praktischer wenn diese Grenzen etwas weiter weg wären. An Tage wie noch vor einigen Jahren, an denen ich morgens von Hand Holz gespalten und danach noch eine Schippe Spätschicht draufgelegt habe, ist ganz ohne Medikamente heute gar nicht mehr zu denken. Das kotzt mich an, denn der Geist ist willig. Jammern hilft ja nix, abgesehen davon haben wir ja auch noch einiges geschafft.

Meine Tochter hatte gestern ihren letzten Praktikumstag. Alles war ganz hervorragend, in dieser Woche war sie ein ganz anderes Mädchen. Sie war mit den Gedanken bei der Sache, sie hatte Spaß, war gut gelaunt. Zum Abschluss sagte die Besitzerin ihr, sie solle in den Laden gehen und sich drei Gegenstände aussuchen, als Belohnung für ihre gute Leistung. Sie hat sich eine Kuchenbackform genommen, eine Ausstechform in Form eines diamantbesetzten Ringes und eine Fondant Silikonform. Sie war stolz wie Oskar, hat der Besitzerin versprochen ihr einen Kuchen zu backen. Da sie sich so gut angestellt hat, darf sie dort in Zukunft auch gerne in den Ferien arbeiten. Diese Erfahrung hat ihr sehr viel gegeben. Wir fühlen viel Dankbarkeit und Liebe dafür, im Gegensatz zum letzten Versuch.

Was der Abend noch bringt? Ich weiß es nicht. Hab bereits ein Bier verdrückt, vermutlich folgt noch eins. Es dürften sich auch noch ein, zwei Kaffee dazu gesellen. Die Schwiegermutter hat leckere Suppe gekocht, die schütte ich einfach zu der Ersten dazu. Lesen werde ich noch, dazu kam ich seit einigen Tagen nicht mehr. Morgen wird die Kettensäge geputzt, geschärft und eingelagert. Dieses Jahr wird nicht mehr geschnitten.

Ausgesehen hab ich heute als ich Heim kam, wie Sau. Motte gefiel das. Sie kam gleich angelaufen, um all diese fremden Gerüche zu erkunden, die da überall an mir hafteten. Dieses Schnüffeln und ganz dolle Abschmusen ist zu einer schönen Gewohnheit geworden. Jeden Tag werde ich mauzend von ihr begrüßt, was so viel bedeutet wie Heb mich hoch und halt mich ganz doll fest!

Ein, von einem aus Balken bestehenden Holzrahmen, eingefasstes glasloses Fenster.