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09 Juni 2022 - Betriebsgeheimnisse

Einer meiner vielen Arbeitskollegen hat ziemlich interessante Geschichten, oder sagen wir mal lieber ziemlicher Kracher aus der Vergangenheit des Betriebs und einiger längst gestorbener Kollegen zu erzählen. Wir lachen uns jedes mal schepp über soviel Stumpfsinn. Vier dieser Geschichten stelle ich heute mal vor. Gleich zu Anfang ein Hinweis: Ja, Alkohol spielt in den meisten Fällen eine übergeordnete Rolle.

Fangen wir mit etwas vergleichsweise harmlosen, aber auch bizarrem an. Es gab mal diesen einen Kollegen der immer trunken auf die Arbeit kam, so richtig trunken. Der Mann war so voll dass er immer an der Wand entlang geschliffen ist um an seinen Arbeitsplatz zu gelangen. Ich glaube das selber nicht ganz, mehrere Quellen haben mir aber unabhängig davon berichtet. Man scherzt dass an der Stelle die Wand immer schön sauber war. Schon ziemlich krass, aber erst der Anfang.

Der nächste Kollege hatte wenn er nüchtern war immer einen ziemlichen Bammel vor Standleitern. Er hat oft jüngere Kollegen gefragt weil ihm die Sache zu heikel war. Wenn der Mann aber knülle war kannte er das Wort Angst nicht mehr. Man erzählt sich dass alle umstehenden nur darauf gewartet haben dass was passiert, weil der Mann im vollen Kopf in einigen Metern Höhe freihändig auf der obersten Sprosse der Leiter stand um gewisse Arbeiten zu erledigen. Das muss man sich mal durch den Kopf gehen lassen, alleine vom Gedanken daran zieht sich mir schon alles zu.

Kollege Nummer Drei soll immer eine Pistole mitgehabt haben. Wie er so da stand, schwankend und trunken wie zehn Russen, soll er damit öfter mal durch die Decke geschossen haben. Auch so eine Geschichte die man sich mit normalem Verstand nicht erklären kann, die Löcher sind aber tatsächlich noch immer zu sehen.

Der letzte Kandidat ist ein richtiger Kracher, im wahrsten Sinne des Wortes. Der Mann hat mal Chinaböller in seiner Jackentasche gehabt und damit die Kollegen erschreckt. Wenn einer vorbei kam nahm er einen raus und warf damit in dessen Richtung. Der Mann war ausnahmsweise wohl nüchtern, aber auch nicht wirklich helle, er arbeitete nämlich an einer Stelle mit gelegentlich starken Funkenflug. Ihr seid Füchse und könnt euch selbst ausmalen was jetzt kommt. Man erzählt und lacht lauthals dabei wie dem Idiot auf einmal die Jacke um die Ohren geflogen ist weil die Dinger sich durch den Funkenflug natürlich entzündet haben. Das dabei nichts passiert ist grenzt an ein Wunder.

Einer fällt mir noch ein, den schiebe ich noch hinterher. Gestern wurde mir berichtet, es gab mal einen der Stapler fahren sollte. Um sechs Uhr meinte er, er könne erst ab neun Uhr fahren, vorher schaffe er das nicht. Zu bis oben hin, den hat man natürlich sofort heim geschickt. Warum die anderen anscheinend über Jahre so arbeiten konnten erschließt sich mir nicht. Naja, beim weiteren grübeln...

Ihr seht, es handelt sich dabei um ziemlich stumpfe Charaktere. Mein Kollege erzählt von all dem aber auf eine so lebendige und lustige Art und Weise dass es jedes Mal ein Fest ist ihm zuzuhören. Was des einen Leid ist des anderen Freud, und so sorgen diese Pflegefälle auch nach Jahren mit ihren Aktionen noch immer für viel Spaß und Unterhaltung.

Den Ernst und die Gefahr die sowas mit sich bringt blenden wir an der Stelle einfach mal aus. Das waren üble Alkoholiker. Zum einen aber waren die Zeiten andere, zum anderen ist man gerade in dieser Ecke des Hunsrücks Alkohol nicht abgeneigt. Passt ziemlich gut in das sonst so feine und biedere Gehabe, irgendwie muss man das ja kompensieren.

Lilafarbene Blüten, benetzt mit großen und kleinen Wassertropfen.