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Ein Säckel voller Geschichten

19 September 2021 - Linux, Statistiken und Verunfallte

Alex hat hat seine ersten Erfahrungen mit Linux dokumentiert, seine Gedanken dazu wurden bei Linuxnews veröffentlicht. Ich fand im übrigen gar nicht das es ein Fehler war. Du hast geschrieben wie du immer schreibst, und es ist spannend zu sehen wie andere ihren Weg gefunden haben. Der Artikel ist die Grundlage für folgenden Absatz.

Die ersten Schritte die ich mit einem Linux Derivat unternommen habe waren glaube ich openSuse. Das müsste 9.3 gewesen sein, zeitlich etwa im Bereich 2005 bis 2006. Ich glaube ich hatte noch ein fettes Buch dazu. Hatte ich das im Nachhinein gekauft? Ich weiß es gar nicht mehr. Wie kam ich überhaupt zu openSuse und somit zu Linux? Hatte ich davon in einem PC Magazin gelesen und wollte es ausprobieren? Ich weiß nur noch dass ich die Faxen dick hatte von Microsoft Windows. Weiter als XP habe ich es nie geschafft, aktuell bekäme ich vermutlich nicht ohne weiteres den Hintergrund gewechselt. Ich fand openSuse fesselnd, die Optik war ganz ungewohnt und es fühlte sich alles so... passend an. Als ob ich angekommen wäre. Ich erinnere mich immer noch an den Desktophintergrund. Das war ein Tümpel, mit Gräsern, einem oder mehreren Bäumen. All das hat sich sehr gut angefühlt in meinem Bauch. Das war meine erste und auch letzte Begegnung mit KDE, denn leider lief openSuse auf meinem damaligen Rechner nur sehr instabil, weswegen ich dann nach kurzer Zeit von einem Bekannten dieses ubuntu auf CD gebrannt bekam. Das war glaube ich 6.6 oder so. Genau. Diese erdtönigen Farben, das Ladesymbol, die Sounds, alles war komplett anders. Damals war ich noch ein Fan von Gnome, und ich begann mehr und mehr mich damit auseinanderzusetzen. Irgendwann wollte ich dann die Mutter von Ubuntu kennenlernen, und so installierte ich zum ersten Mal Debian auf einem schon damals recht alten Laptop. Das müsste Lenny gewesen sein. Nach vielem testen und tüfteln wusste ich das ich davon nicht mehr wegkomme. Mit den Jahren wurde Gnome durch viele Änderungen absolut uninteressant, weswegen ich dann zu xfce gewechselt bin. Tja, inzwischen ist vieles passiert, Debian Gnu/Linux hat sich stark weiterentwickelt, und ich bin immer noch an Bord. Es bleibt abzuwarten wo die Reise hingeht.

Gnu/Linux war immer mehr als nur ein Betriebssystem, als Code für Lau, als Bildchen oder Programme. Es war von Anfang an eine Überzeugung, ein Lebensgefühl. Mir gefiel der Gedanke von Offenheit, von Teilen ohne Grenzen. Aus diesem Grund möchte ich mich an dieser Stelle auch noch einmal bei all denjenigen bedanken die mit ihrer täglichen Arbeit all das erst möglich machen. Genauso verhält es sich im übrigen auch mit Freier Software auf dem Smartphone. Vielen Dank für so eine tolle Sache wie dem F-Droid Store, der einen unbeschwerten Umgang mit dem Smartphone an vielen Stellen erst möglich macht.

Blumen

An sich habe ich schon länger darüber nachgedacht, meinen "Filterpi" durch etwas stärkere Hardware zu ersetzen. Der Nachfolger ist ein alter Samsung Laptop, den ich glücklicherweise zum Ausschlachten aufbewahrt habe. Er hat zwar nur noch 1.5GB RAM, für meine Anforderungen ist er aber absolut ausreichend. Mir kommt es auf die höhere Rechenleistung an. Im Schnitt sind gerade einmal 245MB RAM belegt, da ist also genug Luft nach oben. Dnsmasq erreicht gerade mal noch eine Prozessorlast von knapp 16%, beim Pi waren es zwischenzeitlich 100%. Um den im Vergleich zum Pi größeren Energieverbrauch etwas zu drosseln, habe ich verschiedene Teile abgeklemmt. Unter anderem sind nun die Tastatur, das Touchpad, der Bildschirm und das DVD Laufwerk ohne Strom. Dann habe ich noch die WLAN Karte ausgebaut. Leider fehlt mir die Möglichkeit für einen Vorher-Nachher Vergleich, der Verbrauch sollte sich so aber in Grenzen halten. Mir fiel bereits ein stabileres Netzwerk auf. Wenn ich direkt auf den Server (SSD) schreibe passiert das mit einer Geschwindigkeit von 70MB/s, auf die angeschlossene USB (2) Festplatte mit 30MB/s. Das ist immerhin knapp das Dreifache im Vergleich zum Pi. Der Pi ist sicher eine feine Sache, aber als Heimserver hat er in Zukunft zumindest in diesem Haushalt ausgedient.

Ich gewöhne mir gerade etwas neues an. Während ich diesen Beitrag schreibe stehe ich zwischendurch immer wieder mal auf und tue etwas anderes. Eben war ich kurz unten um den Wasserkocher anzuschalten, nach etwas Schreibarbeit habe ich mir dann meine Trinkflasche mit etwas heißem und mehr kaltem Wasser gefüllt. So kann ich meinen Pfefferminztee schon bald trinken. Das ich zwischendurch aufstehe entspannt mich in vielerlei Hinsicht. Zum einen natürlich meinen Rücken, aber auch den übrigen Körper. Wenn ich länger als 20 Minuten in der gleichen Position verharre wird es unangenehm, das wirkt sich dann letzten Endes auch auf das Schreiben aus da ich verspannt und hektisch werde. Aber auch der Kopf wird wieder ein Stück weit frei, weil meine Augen etwas anderes zu sehen bekommen als nur den Bildschirm oder meine Hände auf der Tastatur. Das merke ich sofort, und auch mein Nacken wird freier. Ich kann also sagen ich fühle mich insgesamt entspannter, kann besser durchatmen usw. Mit diesem Thema beschäftige ich mich seit meinem letzten Asthmaanfall und dem ein wenig schleichenden Genesungsprozess sowieso wieder etwas mehr. Innere Ruhe, Gelassenheit. Das fühlt sich sehr gut an im Moment.

Zusätzlich habe ich mir wie schon geschrieben zuletzt ein Keilkissen für meinen Steiß besorgt. Meine Erwartungen werden voll erfüllt. Ich sitze tatsächlich automatisch grade, mein Steiß schmerzt nicht mehr und meine Rückenmuskulatur fühlt sich eindeutig wohler. Körperliche und geistige Fitness bilden eben doch eine Einheit. Ich als alter Verdränger verliere das alles nur immer wieder aus dem Blick. Ich bin zu selten gut, aber jeden Tag viel zu streng zu mir. Weil ich meinen Körper nicht immer gut behandele. Weil ich mich innerlich immer sehr böse kritisiere, mir keine Zeit nehme für meine Stärken, aber für Erwartungen die ich nicht erfüllen kann weil ich sie eigentlich auch gar nicht erfüllen will. Heute Nacht habe ich wieder wach gelegen und mir ein paar Gedanken dazu gemacht. Meine körperlichen Beschwerden sind oft nichts anderes als ein Ausdruck meines Inneren, somit ist es Zeit sich endlich mehr damit auseinanderzusetzen als immer nur zu funktionieren.

Was mir auch gut gefällt ist dass meine Frau im Moment wieder etwas gelassener ist. In den letzten Wochen habe ich ihr ein paar Mal gesagt dass sie sich für mich anscheinend gar nicht mehr interessiert. Da kam irgendwie nichts rüber. Passiert schon mal, das eine Flaute in der Beziehung herrscht, da schließe ich mich gar nicht aus. Hab ich von ihrer Seite auch schon gehört. Seit ein paar Tagen ist das wieder ganz anders. Sie ist entspannter, kommt zu mir, zeigt mir dass ich mich um sie kümmern soll. Dadurch wird auch automatisch der Sex viel schärfer, inniger, sinniger. Plötzlich macht es wieder richtig Spaß den anderen zu liebkosen, zu schmecken und zu berühren. Das tut uns beiden sehr gut. Wichtiger als das Körperliche ist aber für mich, wie ich meine Frau wieder mehr wahrnehme. Sie riecht extrem gut, hat schönes Haar und verdammt viel Humor. Zumindest wenn sie nicht gestresst ist, dann ist sie auch schon mal ein blödes Arschloch. So wie ich. Das sind dann wohl die berüchtigten negativen Dinge die man an einem Menschen akzeptieren muss wenn man ihn wirklich lieben will. Fällt nicht immer leicht, aber die schönen Zeiten machen die Blöden schnell vergessen. Es ist schön und angenehm, sich in einer Beziehung immer wieder neu zu finden.

Im letzten Beitrag habe ich noch kurz Statistiken erwähnt. Also ich habe vieles aus unserem Leben in Tabellen aufgenommen. Zum Beispiel führe ich Statistiken zum Verbrauch unserer Autos. Aus jeder eingetragenen Tankfüllung errechnet die Tabelle dann verschiedene Werte, wie zb:

- die gefahrenen Kilometer pro Füllung
- den durchschnittlichen Verbrauch
- die Jahresgesamtlaufleistung
- Laufleistung der Reifen
- nächster Wechsel für Öl, Zahnriemen, Luftfilter, Zündkerzen usw

Zum Beispiel pflege ich auch Tabellen zu den Leerungen der Mülltonne, vom Wasser- und Stromverbrauch. All diese Statistiken geben uns eine Übersicht über entstehende Kosten, Einsparpotential usw. Früher habe ich sogar ein Haushaltsbuch in einer Tabelle geführt, das können andere Programme aber besser. Dadurch fällt es uns sehr leicht kommende Kosten einzuschätzen und frühzeitig einzuplanen.

In den letzten Tagen wurde ich leider öfter mit dem Thema Arbeitsunfall konfrontiert. Mein Schwiegervater war durch einen Arbeitsunfall querschnittsgelähmt, mein Vater ist seit einigen Jahren durch einen Unfall ebenfalls an den Rollstuhl gefesselt. Vor ein paar Tagen hat mir ein Fahrer von einem Kollegen erzählt der durch eine Unachtsamkeit, wenn er überlebt, ab dem Hals gelähmt sein wird. Am vergangenen Freitag habe ich dann auf der Arbeit den Unfall eines Kollegen erlebt. Sein linkes Bein wurde von einer Maschine eingeklemmt und schmerzhaft verdreht. Ich musste schon öfter an ihn denken, sein Gestöhne und seine Rufe gehen mir im Moment noch nicht aus dem Kopf. Wie es ihm geht erfahre ich wohl Morgen auf der Arbeit. Da ich Betriebsratmitglied bin interessiere ich mich natürlich besonders dafür. Die Reaktion der Werkleitung hat mich ziemlich zur Weißglut getrieben, die musste ich erst mal sacken lassen. Ich hoffe ich bekomme nochmal die Gelegenheit ihn darauf anzusprechen. Es wäre vermessen zu glauben ihn dafür zurecht zu weißen, das ist auch gar nicht meine Aufgabe. Aber da wir ein recht kleiner Betrieb sind und außerdem mit dem Chef per Du, sollte man erwarten dass er doch wenigstens fragt wie es dem Verunfallten geht. Soviel Menschlichkeit war leider nicht zu erwarten. Es geht nur darum wie jemand so blöd sein kann auf diese Weiße zu verunfallen, und wie man die Geschichte am besten der BG verkäuft. Klar habe ich Verständnis für den Ärger der da kommt. Diese Blicke und die Vorverurteilung passen mir aber gar nicht. Wir sollten uns dafür einsetzen dass die ganze Sache im Nachhinein mit dem Kollegen noch einmal aufgearbeitet und geschaut wird, an welchen Stellen wir nachbessern müssen um das Gefahrenpotential in Zukunft zu minimieren. Das gleicht aber einem Kampf gegen Windmühlen, schließlich aber kämpft man als BR für seine Kollegen. Abwarten was wird.

Ich glaube ich könnte noch so viel mehr schreiben, für heute soll es das trotzdem erstmal gewesen sein. Habt es gut, seid nett zu euch selbst und gönnt euch etwas gutes.


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