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22 August 2021 - Lazy Sonntag

Der Blick aus dem Fenster zeigt eine nasse, von grauen Wolken bedeckte Welt. Ich habe keine Lust Faul zu sein, im Gegenteil. Mir ist langweilig, und diese geistige Stille die solche Tage mit sich bringen (können) kann ich nicht ausstehen. Heute Morgen habe ich daher bereits drei Aufwicklungen für die Rolläden im Zimmer meines Großen umgebaut. Danach haben wir beide gemeinsam noch einmal etwas Ordnung in die Werkstatt gebracht. Bei der Gelegenheit habe ich dann noch meine alte Werkzeugkiste ausgeräumt und ausgesaugt. Die habe ich jetzt sicher seit... gut 22 Jahren. Die habe ich mir während meiner Lehrzeit in meiner ersten eigenen Wohnung zugelegt. Für wenig Geld, für mich war es viel, habe ich sie in einem Restpostenladen gekauft. Damals hatte ich darin das ein oder andere Billigwerkzeug, Mit der Jahren hat sie sich immer mehr gefüllt, und inzwischen kann ich mit ihr überall hin ohne groß Angst haben zu müssen das mir etwas wichtiges fehlt. Diese Werkzeugkiste ist über die Jahre sehr wichtig für mich geworden, und ich bin froh dass sie nach wie vor in einwandfreien Zustand ist.

Meine erste Wohnung befand sich direkt auf dem Flughafen Hahn. Die Wohnungen der dort früher stationierten Amerikaner dort nennt/nannte man Housing. Das sind Betonbauten. Ich hatte zwei Zimmer, die beide exakt gleich aussahen, nur spiegelverkehrt. Betritt man den rechten, in etwa 20 qm großen Raum, schaut man in einen weiteren Raum. Betritt man diesen sieht man, wieder Rechts, Schränke. Links um die Ecke eine kleine Arbeitsplatte, rechts davon ein Waschbecken. Dazwischen ist eine weitere Tür durch die man in ein kleines Bad mit Wanne und Klo gelangt. Geht man weiter, kommt man zur selben Aufteilung zurück, nur eben spiegelverkehrt. Das war meine erste Wohnung. Während meiner Lehre habe ich dort für etwas über 400 Mark im Monat gelebt. Ich hatte einen ganz alten Fernseher und eine Playstation 1, mit der ich über den Fernseher immer Musik gehört habe. Wenn ich Lebensmittel brauchte, habe ich mir meinen Rucksack geschnappt und bin in das etwa 5km entfernte Sohren gelaufen. Das soll heißen, zu Fuß. :) Meine Mittel waren damals sehr begrenzt. Dank der Unterschrift meiner Mutter durfte ich bereits vor meinem 18 Lebensjahr anfangen Nachts zu arbeiten. Die Firma war froh, da sie den Großteil der Aushilfskräfte entlassen konnte. Und wir Lehrlinge waren froh über die 300 Mark Zusatzgeld. Die Wochenenden habe ich dann "Zuhause" verbracht, wobei ich immer froh war wenn ich dort wieder weg war. Und immer Trampen. Bus fahren kann jeder, kostete außerdem auch Geld. Nach dem Abschluss meiner Lehre bezog ich dann wenig später eine geräumigere Wohnung, in der ich dann nach ein oder zwei Jahren meinen zukünftigen Schwager und auch meine Frau kennenlernte. So fing alles an! :)

Was über all die Jahre geblieben ist, ist die Gewohnheit aus wenigem noch etwas zu machen. Zum Beispiel habe ich heute aus einem Stück Dachlatte, einem Brett und etwas Farbe eine kleine Ablage gebaut. Aus Gründen haben wir zwischen Couch und Wand einen kleinen Zwischenraum, denn ich plane mit dieser Ablage sinnvoll zu nutzen. Darauf wird dann ein schönes kleines Licht aufgestellt, etwas Strom zum Laden der Handys oder was auch immer. So kann man vieles was man an Bauholz noch so herum fliegen hat sinnvoll weiter nutzen. Beim Wort Strom fällt mir etwas ein. :) Ich hatte ursprünglich geplant einfach eine hässliche Steckdosenleiste drauf zu legen und gut ist. Wir haben aber noch Steckdosen von der Baustelle übrig. Ich werde also eine Steckdose in die Ablage mit einfassen. Mehr als ein Gerät schließt man dort doch sowieso nie an. Somit wirkt die Ablage nochmal moderner, und sieht sauberer aus. Gut das wir drüber gesprochen haben.

Heute Morgen haben wir eine ganze Stunde ganz gemütlich mit der Tochter gefrühstückt und über so vieles gequatscht. Über die Schule, über Adventserinnerungen aus unserer Grundschulzeit und vieles mehr. Ich mochte diese Atmosphäre sehr. Unser damaliger Klassenraum befand sich im Keller. Der tat sein übriges zu den ohnehin sehr dunklen Wintermorgenden. Und so genoss ich als Kind wenn die Lehrerin jeden Morgen, oder war es nur Montags, eine kleine Geschichte bei Kerzenlicht vorlas. Meine Tochter hat dann noch einmal bekräftigt, wie sehr einige wenige Mitschüler dem Rest den Unterricht versauen können. Die Lehrer könnten viel produktiver arbeiten, wären sie nicht laufend gezwungen zu Maßregeln. Viel gelacht haben wir, und ich bin immer wieder erstaunt wie groß meine kleine Tochter schon ist, und wie viel Spaß es macht sich mit ihr zu unterhalten.

Meine Quarantäne endet zum Glück recht bald. Langsam nervt es. Zwar haben wir ein ausreichend großes Grundstück, dennoch müsste mal der Hänger weg gefahren werden damit ich Reste aus dem Garten wegfahren kann usw usf. So kommt eins zum anderen, und meine Frau kann jetzt auch nicht immer springen nur damit ich was zu tun habe.

In den Nachrichten werden die vielen chaotischen Bilder aus Afghanistan rauf und runter gespielt. Viele Menschen sagen ja, man hätte das Land besser niemals betreten. Es wäre abzusehen gewesen, dass so etwas passiert. In der Region habe es immer schon nur Konflikte gegeben, und man würde "die" sich am besten selbst überlassen. Ich frage mich nur, was versucht man mit der ganzen Aktion jetzt überhaupt zu erreichen? Alle ungefährlichen normalen Bürger ausfliegen, Afghanistan evakuieren? Bleiben denn die Bösen dann da? Und was wird aus den Menschen die fliehen? Landen die im nächsten Moria, wo dann die nächste, vom Westen im Stich gelassene Generation aufwächst? Sind wir alle tatsächlich so dumm dass wir das haben nicht kommen sehen? Ich kann nur mit dem Kopf schütteln. Das alles ist so bitter, so verletzend und unbegreiflich.

Mit schlechter Laune und Trübsinn kommen wir aber auch nicht weiter, daher wünsche ich euch jetzt noch alles Gute. Habt einen schönen Tag und einen guten Start in die kommende Woche.