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26 Juni 2021 - Mitternachtsgeschrubbel

Es ist 00:19 Uhr an einem frischen Samstagmorgen. Gerade war ich noch unten in der Küche um mir einen Kaffee zu machen. Mit lecker Hafermilch. Jetzt sitze ich wieder im Schlafzimmer, an dem alten Tisch den ich selbst restauriert habe. Darauf liegen Unterlagen, Belege und technisches Zubehör. Wenn ich aus dem Fenster schaue, sehe ich den Mond in voller Pracht. Er hat einen leichten Gelbton, meine Recherche hat ergeben dass der heutige Tag ideal sein soll um Unkraut zu zupfen und Haare zu schneiden. Morgen wäre dann Fenster putzen dran. Ob sich wirklich jemand daran hält? Und wenn, was sind das für Leute? In unsere Planung würde es jedenfalls passen. Stattdessen sitze ich hier und versuche, möglichst leise, auf der mechanischen Tastatur Gedanken in Einsen und Nullen zu bannen. Da gäbe es eine Menge zu erzählen. Ich habe gestern vieles gehört, gesehen und auch gedacht. Gestern ja, aber gefühlt noch heute da gar nicht geschlafen. Selbstbeobachtungen, Gespräche meiner Frau mit Kolleginnen parallel zum selbst erlebten. Wieder einen Anflug von plötzlicher Gereiztheit, wie auch in den beiden Tagen zuvor. So bin ich eigentlich gar nicht, und doch. Gewaltfantasien gegen jemanden, wir sind aneinander gerasselt. Zum Glück nur Fantasien. Ich mag es nicht wenn ich so bin, es bringt auch nichts Gutes. Viel Arbeit gleich zu Anfang der Schicht, nette Gespräche. Von guter Nachbarschaft und Wein. Von den Kindern, Musikunterricht und kostenlosen Instrumenten. Von einem der wie alle sagen im Lotto gewonnen hat, und jetzt mit jedem Streit hat da unzufrieden. Ich höre den Atem meiner Frau, sanft und stetig. Mal kein penetrantes Schnarchen. Was sie wohl träumt? Wieder irgendwas verrücktes, total skurriles. Ihr müsstet sie mal lachen hören, also, wenn sie wach ist. Sie hat auch schon im Schlaf gelacht, das ist aber nichts im Vergleich wenn sie wach ist. Dann gröhlt sie, wirft den Kopf in den Nacken und schlägt die Hände zusammen. Das mag ich an ihr.

Heute habe ich wieder etwas dazugelernt, oder besser gesagt, mir wurde etwas bewusst. Etwas, das mir wenn ich gleich daran gedacht hätte, Zeit an Recherche eingespart hätte. Es sind doch oft ganz simple Dinge die man nicht sieht. Kleine Sachen, die echt Zeit in Anspruch nehmen können. Als ich mir mal einen alten Scanner mit Einzug gekauft habe wollte der einfach nicht scannen. Eine Stunde habe ich aufgewendet, über Recherchen nach dem Treiber und verschiedene Software ausprobiert.... ich hätte gleich das Kabel sehen sollen welches den Einzug mit dem Rest verbindet.. Das kann Daniel sein, so etwas passiert mir schon mal von Zeit zu Zeit. Eine Schwäche, etwas das mich ärgert und was man besser niemandem erzählt. Ich habe aber keine Lust meine gelegentliche Tollpatschigkeit zu verstecken, oder wenn ich mal auf dem Schlauch stehe. Auch das ist ein Teil von mir. Etwas das sympathisch sein kann, und auch nicht ständig vorkommt. Aber ich rede zu viel. Was ist denn heute passiert? Heute Vormittag habe ich eine erste Tonaufnahme veröffentlicht, kurz bevor ich los musste. Auf meinem Rechner hat alles funktioniert, kaum war alles hochgeladen wollte der Player die verdammte Audiodatei nicht abspielen. Aber ich musste ja los, war kurz vor knapp. Also habe ich den ganzen Tag lang immer wieder mal überlegt woran es liegen kann. Den Quellcode geprüft, im Validator getestet, weiter recherchiert. Als ich Zuhause war nochmal getestet. Mist, was mache ich falsch? Oh Mann.... schau mal in den Head Bereich. Warst du es nicht der dort CSP Regeln festgelegt hat? Und was sagt eine Regel? Sie sagt, default-src 'none'. Was soviel heißt, hier darf erst mal gar nichts. Hand - Stirn - Repeat. Also fix ein media-src 'self' eingebaut, geht. Warum fällt mir so was nicht sofort auf? Ach Moment, da war ja noch. Na ganz logisch, weil man doch ganz oft mit komplett anderen Dingen rechnet. Da werden Konstrukte an Möglichkeiten im Kopf entworfen, was man alles und da war doch dieses eine mal. Dabei hatte ich die CSP Regeln ganz vergessen, was dann letzten Endes die Lösung brachte. Merken, beim nächsten Mal besser machen.

In diesem Jahr sind in meinem Arbeitsumfeld bereits drei Ehen in die Brüche gegangen. Meine Frau hat heute mit einer Kollegin gesprochen, der es auch so geht. Also, zahlenmäßig. Kaum sind die Kinder groß, oder die sind noch klein und das Haus ist grade fertig, zack alles aus. Der Kollegin wurde gesagt sie müsse auch aufpassen, so etwas könne auch ihr passieren. Zum Glück ist sie auf dem selben Standpunkt wie meine Frau und ich. Erstens, wenn es passiert passiert es eben. Zweitens, daheim weiß man was man hat. Und last but not least, wenn es zwischen uns aus ist kommt nix mehr ins Haus. Ich bin doch nicht bekloppt, die ganze Arbeit und der Stress mit dem anderen Geschlecht. Die spinnen doch alle heutzutage. Ne ne, das passt schon, und bleibt mir nur weg. :D
Es geht aber um etwas anderes. Einem Kollegen ( allen läuft die Frau weg, nur mir nicht ) ist es auch so ergangen. Da wir ganz gut befreundet sind erzählt er mir vieles. Im Moment aber etwas zu viel für meinen Geschmack. Besser gesagt, ich frage mich wie die beiden ihre Probleme lösen wollen wenn sie sich so anstellen. Langsam wird es eklig denke ich. Er meint, er könne wie immer alles regeln wenn sich nur alles nach ihm richtet. Sie will das natürlich nicht mehr, und spricht leider, wie schon früher anscheinend, gar nicht mehr mit ihm. Alles sehr verzwackt. Als Außenstehender denkt man automatisch, man würde alles viel unkomplizierter und erwachsener lösen. Aber wäre das wirklich so? Man ist nicht auf der selben emotionalen Ebene, hat nicht den Hass auf die Familie oder den Kummer wegen Haus und Hof und was weiß ich nicht noch alles. Es ist schon verrückt. Da werden teure Kredite aufgenommen, Kinder gemacht und der ganze spießige Scheiß drum herum, und dann soll das auf einmal alles Geschichte sein. Und auch hier keine einfachen Antworten. Menschen ändern sich, neue Bedürfnisse werden geweckt. Man entwickelt sich weiter. Diejenigen die für immer zusammen bleiben haben anscheinend dickes Fell. Wenn ich unsere Ehe betrachte, da gab es öfter mal Knatsch. Manch einer behauptet ja, bei ihnen sei immer alles harmonisch gewesen. Ich gönne es euch. Wenn meine Frau und ich wegen irgendwas Krach haben und am Ende wieder alles gut ist, habe ich das Gefühl ich liebe sie noch ein Stück mehr. Vielleicht halten wir es deswegen schon so lange miteinander aus. Weil wir weitermachen, weil wir uns fetzen und lieben können. Weil wir schon so weit gekommen sind, und uns immer noch viel zu erzählen haben.

Tja, wie eingangs erwähnt ist für heute Gartenarbeit angesagt. Die Blumen sind fett und saftig, mein Walnussbaum wächst ganz wunderbar. Den habe ich vor etwa 4 Jahren aus einem Pflanzstein gefischt, ganz klein war er da. Inzwischen ist er gute drei Meter groß. Er soll uns irgendwann ausreichend Schatten spenden. Na ja, mit dem Fett und Saftig kommt aber auch Unordnung in den Garten. Am Anfang ist das schön, weil Lebensraum und schön anzusehen. Aber inzwischen sind viele Glockenblumen unter ihrem Gewicht umgeknickt und der Garten kann nicht mehr ordentlich genutzt werden. Die werden also hoch gebunden. Meine Frau wird sicher nochmal vieles weg machen was ich lieber stehen lassen würde. Danach sieht der Garten so leer aus. Schlimm.

Auf der Suche nach einem Bild vom Baum dass ich im Kopf habe bin ich auf ganz viele Bilder der Kinder gestoßen. Gott wie die beiden gewachsen sind. Es hat sich viel getan in den letzten 3-4 Jahren. Wo wir wohl in 10 Jahren stehen?

Ich denke ich habe jetzt ausreichend Unsinn verzapft. Wenn ich müde bin geht manches ungefiltert durch die Finger, das ist auch gut so. Inzwischen ist es 01:46 Uhr, es wird Zeit schlafen zu gehen. Der letzte Schluck vom kalten Kaffee ist getrunken, der Mond hinter den Kirchturm gewandert. Ich sollte mir ein neues Hörspiel zulegen. Zeitfuge war das letzte, mit Pax und Alice Rodgers. Es geht um eine Zeitreise die Alice erlebt. Hat mir sehr gut gefallen. Ich könnte aber auch noch einmal Das Parfüm lesen, oder Eragon. Heute nicht mehr, gute Nacht. 1493 Wörter, neuer Rekord! :D