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09 Juni 2021 - Zwiegespräch

Heute wurde ich zu einem Zwischengespräch gebeten. Zuerst war ich überrascht, denn ich wurde recht kurzfristig ins Gespräch gebeten. Im Nachhinein fand ich es dann aber doch sehr positiv, weswegen ich an dieser Stelle ganz gerne ein paar Auszüge daraus mit euch teilen möchte.

Wassermassen strömen über eine Staustufe hinweg, dahinter schäumen die Massen.

Die Begrüßung war wie immer sehr herzhaft, immerhin kennen wir uns schon eine ganze Weile. Und so kamen wir auch ziemlich schnell und ohne Umschweife zum Grund der Einladung. "Wir müssen über deine Gesundheit sprechen", fing einer an. "In Ordnung, ich hätte anderes erwartet." "Doch doch, wir glauben dass es ein paar Dinge gibt die wir unbedingt klären müssen. Sicher ist dir nicht entgangen, das wir dir in den letzten Tagen einige Signale gesendet haben. Die du leider ignoriert hast, wie wir feststellen mussten." "Na ja, ich habe mich in den letzten Wochen sehr gut gefühlt, dachte dass ich mir wieder mehr zumuten könnte." "Du hast es etwas übertrieben, findest du nicht auch?" Mein Schmerzempfinden sah mich mit ernster Miene an. "Du spürst doch das deine Hüfte wieder anfängt zu schmerzen. Und weißt du noch letztens, als deine Beine wieder gekribbelt haben, und taub wurden? Das war ein schlimmer Abend, du konntest ja kaum einschlafen." "Ich muss gestehen, in den letzten Tagen habe ich mir vielleicht mehr zugemutet als ich es ertragen kann. So bin ich eben getaktet." "In Maßen ist dagegen auch nichts einzuwenden, aber was sollen denn bitte immer diese Sprünge aus relativer Höhe?" "Das geht schneller, ist praktischer." "Ja merkst du denn nicht was du dir damit antust, was du deinem Körper antust? Du bist ein stabiler Mann Ende Dreißig. Nicht dick, aber auch kein Fliegengewicht. Sicher, du magst einen Mordswums in den Knochen haben, aber was glaubst du denn was sie ertragen müssen wenn du es ihnen zumutest jedes mal die Wucht deiner Sprünge aufzunehmen? Von den Gelenken ganz zu schweigen." "Ihr habt mich also her gebeten, um mich zu tadeln?" "Nein, das ist es nicht. Wir wollen dich sensibilisieren. Du warst in den letzten Wochen tatsächlich gut in Schuss. Ein paar wenige Wehwechen hier und da, nichts ernstes. Du konntest sogar eine ganze Zeit lang auf deine Übungen verzichten, ohne Einschränkungen zu riskieren. Leider haben wir nun ein kritisches Niveau erreicht, und es wird Zeit dass du wieder mehr auf dich achtest. Um dich darauf aufmerksam zu machen habe ich heute beschlossen, das Level der Schmerzen in der Hüfte noch einmal anzuheben." "Das ist mir nicht entgangen. Auch nicht die schmerzenden, schweren Füße. Der Tag war anstrengend, bereits kurze Strecken zu Laufen war unangenehm." "Na endlich siehst du es ein. Aber nicht genug. Ich habe mich mit deinem zentralen Nervensystem unterhalten. Du warst in den letzten Tagen etwas angespannt. Hast negative Gedanken gehabt, gezweifelt. Gut dass du das wieder selbst in den Griff bekommen hast. Aber Vorsicht, nicht dass daraus mehr wird. Die große Hitze und die allergischen Beschwerden, eine schwierige Stimmungslage und jetzt auch noch Schmerzen. Du mutest dir viel zu im Moment, vielleicht zu viel. Sei einmal zufrieden mit dem was du tust, du machst deine Sache gut. Also sei nicht so streng zu dir. Wenn du die nächsten Tage etwas vorsichtiger bist und deine Übungen machst, werden wir die Warnsignale schon bald wieder aussetzen können. Auf einen schmerzhaften Hexenschuss, oder gar schlimmeres, können wir doch alle gut verzichten, nicht wahr?"

Soweit ein grober Ausschnitt. Es gab aber auch lobende Worte. Zum Beispiel dass meine Ernährung relativ abwechslungsreich sei im Moment. Mein Magen, aber vor allen Dingen meine Zunge bedankten sich für das köstliche alkoholfreie Radler. Eine zuverlässige Genugtuung, sagten beide einstimmig. In Ordnung, ich werde also auf die Signale meines Körpers achten. Das fällt mir manchmal schwer, weil ich gerne viel mehr leisten würde. Das geht aber nur, wenn ich den anderen Teil auch einhalte.

Dieses Gespräch fand den gesamten Nachmittag vor meinem inneren Auge statt. Als sei ich im Autopilotenmodus. Der Körper verrichtet sein Werk, der Geist aber geht ganz eigene Wege. Ich fühle mich nun wieder ein Stück zufriedener, es tut gut das geklärt zu haben. Ich werde morgen früh Waffeln backen, mit Apfel. Die liebe ich fast genauso sehr wie schmerzfreie Tage.